View on GitHub

Maskenmonitor

Wir möchten in diesem Projekt dokumentieren, wie weit verbreitet das Tragen von Gesichtsmasken bzw. einer Nasen-Mund-Bedeckung während der Corona-Pandemie ist und wie es sich über die Zeit verändert.

Anhand von Mobilitätsdaten ist zu ersehen, wie bereits zu Beginn der Corona-Ausbreitung die Bevölkerung auf die Darstellung in den Medien und die Apelle der Politik bereits vor Erlassen offizieller Kontaktbeschränkungen mit massiven Verhaltensänderungen reagiert hat. Solch massive Verhaltensanpassungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene sind seltene Phänomene und das vorliegende Projekt möchte einen Teil dazu beitragen, dieses Phänomen am Beispiel des Maskentragens zu beobachten.

Masken sind zu einem sichtbaren Zeichen der Corona-Pandemie geworden. Nach dem die Effektivität von Masken zur Prävention von Ansteckungen zu Beginn der Pandemie noch unklar war und auch von offizieller Seite vom Tragen von Alltagsmasken abgeraten wurde, ist seither wissenschaftlicher und politischer Konsens, dass das Tragen von Mund-Nase-Bedeckung ein Eckpfeiler der Bekämpfung der Pandemie darstellt. Dies gilt zumindest solange, bis ein Impfstoff für die breite Bevölkerung zur Verfügung steht. Als Bestandteil der sogenannten AHA-Regeln (Abstand halten, Handhygiene, Alltagsmasken) sollen diese mindestens dort getragen werden, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

Gleichzeitig ist das Tragen einer Maske politisch aufgeladen. Ein kleiner, aber bestimmter Teil der Bevölkerung sieht in den verschiedenen erlassenen (und teilweise wieder aufgehobenen) Einschränkungen des öffentlichen Lebens unzumutbare Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Auch wird die Effektivität des Masken-Tragens in Zweifel gezogen. Die Gesichtsmaske ist damit auch zu einem Symbol über die Zustimmung oder Ablehnung der staatlicher Corona-Maßnahmen geworden, die bis hin zur Verweigerung des Tragens von Masken geht, was als eine Form zivilen Ungehorsams betrachtet wird. In einigen Fällen kam es sogar zu Handgreiflichkeiten, nach dem Personen im öffentlichen Nahverkehr gebeten wurden, der Pflicht zum Tragen einer Maske nachzukommen.

Diese politischen und gesellschaftlichen Hintergründe machen das Tragen einer Maske zu einem äußerst interessanten Phänomen für die sozialwissenschaftliche Analyse. Die Befolgung gesellschaftlicher Regeln, das Verhältnisses von Freiwilligkeit zur politischen Normierung von Verhalten, sind seit je her Themenfelder von grundlegendem Interesse für die Sozialwissenschaften. Gerade in der wissenschaftlichen Perspektive wird es interessant zu sehen sein, wie die Bereitschaft zum Tragen einer Maske von den erlassenen Regeln abhängt, oder auch von öffentlichen Einlassungen politischer Mandatsträger und dem alltäglichen Stand der Neuinfektionen (die sich, so ist anzunehmen, in der persönlichen Risiko-Kalkulation bezüglich des Virus niederschlägt). Weitere mögliche Einflussfaktoren sind die Verhandlung der Coronoa-Thematik in den Medien, das Erlassen von Sanktionen wie Bußgeldern durch die Behörden, oder potenzielle Abstumpfungs- oder Ermüdungseffekte in der Bevölkerung.

Das Tragen von Masken ist auch deshalb spannend zu beobachten, weil es nicht unmittelbar dem Eigenschutz des Trägers, sondern gerade bei Alltagsmasken, auch um Fremdschutz anderer geht. Die Motivation zur Einhaltung der Masken-Regeln erfolgt daher nicht rein aus egoistischen Motiven, sondern auch aus altruistischen Motiven zum Schutze anderer. Gleichzeitig besteht ein generationelles Gefälle im Risiko, schwer zu erkranken. Hier stellen sich also auch Fragen der Solidarität über Generationengrenzen hinweg. Zudem ist aus der Forschung etwa bekannt, dass Männer risikobereiter sind als Frauen und stärker zu gefährlichem und deviantem Verhalten neigen. Damit ergibt sich die Frage, ob sich diese Tendenz auch in Geschlechtsunterschieden beim Tragen von Masken auswirkt. Die Ermittlung des Trage-Verhaltens, der Einhaltung der vorgegebenen Masken-Regeln in der Bevölkerung ist daher wissenschaftlich von großem Interesse.

Seit Beginn der Pandemie ist bereits ein halbes Jahr vergangen und zwischenzeitlich war die Zahl der Neuinfektionen besonders in Deutschland erheblich gesunken. Allerdings hat die kalte Jahreszeit nun begonnen, die ganz neue Herausforderungen mit sich bringt, wenn mehr Menschen unter gewöhnlichen Schnupfen leiden und gleichzeitig mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Gleichzeitig befinden sich vielen Länder Europa mitten im Beginn einer zweiten Welle und der Anstieg der Infektionszahlen in Deutschland deutet darauf hin, dass auch hier das Virus wieder verstärkt um sich greift. Allerdings werden die Regierungen in Europa und der Welt das Möglichste versuchen, einen zweiten, gesamtgesellschaftlichen Lock-down zu verhindern. In diesem Kontext kommt der Einhaltung der vorgegebenen Verhaltensregelen, inklusive dem Masken-Tragen in der Bevölkerung, eine erhebliche Bedeutung zu. Da eine allgemeine Impfung nicht vor Mitte bis Ende 2021 zu erwarten ist, wird uns das Masken-Tragen noch weit bis in das Jahr 2021 hinein begleiten. Das entscheidende Anliegen des Maskenmonitors besteht deshalb darin, diese Entwicklung auf gesellschaftlicher Ebene abzubilden und damit mehr über das Verhältnis von individuellem Verhalten und großgesellschaftlichen Risikolagen herauszufinden.